

| Wandlung als Grundprinzip des Universums Das "Buch der Wandlungen" ist der wichtigste Text der chinesischen Kulturtradition. Ursprünglich für die Divination genutzt, wurde es mehr und mehr zu einem universellen Weisheitsbuch, das die Welt so beschreibt wie sie ist - mit ihren Veränderungen und den Auswirkungen auf den Menschen. Durch die dynamische Interaktion von Yin (weiblich) und Yang (männlich), dargestellt durch eine gebrochene und eine ungebrochene Linie, entsteht Leben. Alle möglichen Kombinationen dieser zwei Linien ergeben zuerst vier Bigramme, dann 8 Trigramme und zuletzt die 64 Hexagramme. Diese 64 binär aufgebauten Zeichen ähneln in ihrer Struktur dem genetischen Kode der DNS mit ihren 64 Nukleotidtripletts - das Muster des Lebens. Zeichen der Zeit Der Glaube an die Welt der Kausalität, der Beziehung von Ursache und Wirkung, läßt sich aus unserer westlichen philosophisch und naturwissenschaftlichen Kulturgeschichte her erklären - entspricht aber nicht mehr dem heutigen Wissensstand. Quantenphysik und Chaostheorie haben unseren Blick auf die Welt nachhaltig verändert. Die atomare Realität ist stochastisch während unsere sinnlich wahrnehmbare Welt kausal und berechenbar scheint. Das Yijing ist eine Möglichkeit, die gerade wirksamen Kräfte des Kosmos, die Wahrscheinlichkeit von Ereignissen, Zusammenhängen und Themen die "in der Luft liegen" durch die Verbindung von Zufall und Systematik sichtbar zu machen. Die 64 Zeichen zeigen sämtliche möglichen Zustände von Yin und Yang. Mit Hilfe von drei Münzen oder 50 Schafgarbenstengel erhält man ein erstes Hexagramm für den Ist-Zustand. Aus den vorhandenen wandelbaren Linien ergibt sich ein zweites für die Situation nach einer bestimmten Veränderung. Das entstandene Muster ist charakteristisch für genau diesen Augenblick der Befragung - ein Schnappschuß der Realität. Die Einheit von Mikro- und Makrokosmos vorausgesetzt, können wir nun eine Situation und die Einflüsse denen wir ausgesetzt sind ganzheitlicher verstehen und dementsprechend handeln. Ba Gua: ein Netzwerk von wechselnden Mustern Die 8 Trigramme stehen für die elementaren, durch Qi verbundenen Prinzipien der Natur: Himmel, Erde, Wasser, Feuer, Berg, See, Donner und Wind. Diese Kräfte sind nicht wörtlich zu verstehen sondern beschreiben wie die fünf Phasen Zustände, Tendenzen, Charakteristiken. Sie sind Symbol aller menschlichen und natürlichen Situationen und Abläufe. Die zugeordneten Bedeutungsmuster der Trigrammen sind daher vielfältig: sie repräsentieren die Mitglieder einer Familie, stehen für die Himmelsrichtungen, Jahres- und Tageszeiten, Nummern des LoShu (magisches Quadrat), fünf Phasen, Farben, Tiere, Organe und Körperteile mit dazugehörigen Krankheiten ... Zwei Darstellungsweisen sind überliefert. Die ursprünglich polare Anordnung des Xian Tian Ba Gua, bezeichnet das vor der Geburt in natürlicher Art und Weise Vorhandene. Jeder Yin-Linie steht eine Yang-Linie gegenüber, die Pole ergänzen und vervollkommnen sich gegenseitig: Himmel - Erde, Wasser - Feuer ... Wandlung existiert nicht. Der Frühe Himmel repräsentiert durch seine Statik und Ausgewogenheit die absolute Harmonie des Universums. Die zyklische Anordnung des Hou Tian Ba Gua (2) ist eine künstlich geordnete Form, die das nach der Geburt Erworbene darstellt. Sie zeigt die tatsächliche, der Realität entsprechende Erdenenergie. Hier ist Wandlung und Bewegung das Thema: ein ständiges Werden und Vergehen, wie im Ablauf der Jahreszeiten sichtbar. Für die Feng Shui Analyse wird daher hauptsächlich dieser Späte Himmel benutzt. |