
| Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile Im landwirtschaftlich geprägten China war es lebensnotwendig, einen exakten Kalender zu haben, zu wissen wo der beste Ort zum Pflanzen und wann der beste Zeitpunkt für Saat und Ernte ist. Es ging darum, die Vorgänge in der Natur zu verstehen, sie vorherzusehen und dadurch für sich nutzen zu können. Aus den Beobachtungen der Erscheinungsformen der Natur, ihren Wandlungen und Gesetzmäßigkeiten; der Vergleich mit den Abläufen im menschlichen Körper und dem gesellschaftlichen Leben ergab eine umfassende Entsprechung aller Dinge und Phänomene der Welt. Es entstanden verschiedene Modelle und Methoden, die Welt zu erklären, die sich nicht gegenseitig ausschließen, sondern ergänzend unterschiedliche Perspektiven auf das Gleiche sichtbar machen. Systematisch wurden die Prinzipien von Qi, Yin und Yang, das Konzept der fünf Wandlungsphasen und das Yijing (I Ging) auf alle Erscheinungen angewandt, mit der Zeit verifiziert, verfeinert und schließlich kombiniert. Das entstandene komplexe System beschreibt das Universum in seiner zeitlichen und räumlichen Dimension. Ereignisse wurden erkannt als zyklisch wiederkehrende Muster von statistischen Wahrscheinlichkeiten in Abhängigkeit von den örtlichen Begebenheiten und der Zeit, in der sie stattfinden. Traditionelles Feng Shui, Chinesische Astrologie, Chinesische Medizin, Philosophie, die Kampfkünste ... basieren auf dieser ganzheitlichen Entsprechungs- und Erfahrungslehre. Tian Di Ren - Die Vernetzung des Kosmos Grundsätzliche Annahme und Voraussetzung des chinesischen Denkens ist sowohl die Einheit von Körper, Seele, Geist als auch von Mensch und Natur. Tian, der Himmel, steht dabei meist synonym für den Begriff der Zeit; Di, die Erde, meint den Raum und Ren heißt Mensch und umfaßt auch seine Handlungen. Mikrokosmos (Mensch) und Makrokosmos (Universum) funktionieren nach den gleichen Prinzipien: alles ist von Qi durchdrungen, steht miteinander über ein (wie auch immer geartetes) universelles Bewußtsein in Beziehung und wirkt aufeinander ein. Die Relation und Funktion (z.B. eines Organs) im Gesamtkontext ist in diesem ganzheitlichen Verständnis von Mensch und Umwelt, Gesundheit und Krankheit wichtiger als die Materie/Substanz an sich. |